Etoile - OSCAR'S HOME

Hommage

Hommage an Eber Oski und ein Dank an die Kinder

Auszug aus dem Buch »Wer sind die Tiere?« von Christine Rüedi

Lieber Oski,

Während dreier Jahre gingen du und ich Seite an Seite. Ich schulte in der Ethikschule Kinder für ein achtsames, fürsorgliches Verhalten gegenüber den Mitgeschöpfen, du hast mir dabei wertvoll geholfen. Stand ich mit den Kindern unter der Trauerweide vor den Stallungen, um sie auf die Begegnung mit dir vorzubereiten, wusstest du es sogleich, und du hast mit differenzierten Grunz-Lauten gerufen. Dabei hatte ich deinen Namen nicht einmal erwähnt. Natürlich habe ich deine Stimme sogleich erkannt. Sie war intensiver als die deines Schweinefreundes Joy.

Kinder haben dich zu uns auf den Ethikhof für Tiere in Not gebracht. Sie hatten dich auf einem Bauernhof kennengelernt und deine Not verstanden: Du hättest bald geschlachtet werden sollen. Wen wundert’s? Du hattest eben das Pech, nicht als Hund oder Katze geboren worden zu sein. Das macht bei vielen Menschen einen grossen Unterschied. Doch du hattest auch Glück mit den Kindern und dem Landwirt, der dich hergab.

Habe ich dich zusammen mit den Kindern besucht, hast du dich im sauberen Stroh wohlig ausgestreckt. Ich wusste, dass deine Augäpfel weiss sein mussten und nicht rosa durchblutet, wenn wir dich streicheln wollten. Denn dann wärst du noch zu erregt gewesen, um dich den Kindern hinzugeben. Nachdem die Kinder für dich ein Lied gesungen hatten, war es jeweils soweit und sie durften deinen grossen, weichen, warmen, haarlosen Bauch streicheln, der beim Tätscheln unter den kleinen Kinderhändchen so fein klatschte. Und dann gab es an deinem Bauch die

Brustwarzen, beeindruckend gross. Aber Oski ist doch ein Mann? Das gab viel zu besprechen mit den Kindern, und auch mit den Erwachsenen …!

Nicht nur ich habe dich geliebt, alle, die dich kannten, hatten dich ins Herz geschlossen. So hast du auch ein Buch bekommen, das deine Geschichte mit der Rettungsaktion durch die Kinder erzählt.

Gezüchtet auf intensives Wachstum hast du im Alter von drei Jahren und acht Monaten 405 kg gewogen, bei schlanker Statur. Du warst mächtig gross. Dein Skelett und deine Muskulatur konnten in der Entwicklung nicht mithalten. Das Aufstehen wurde für dich immer schwieriger. Doch das war notwendig, auch damit du die Notdurft weiterhin draussen verrichten konntest, was du unbedingt wolltest. Also hast du laut gerufen und die Tierpfleger und ich kamen gerannt, oft alle zusammen. – Da haben wir gelacht, trotz der Misere.

Du liessest dir geschickt helfen: Jemand von uns stellte sich hinter dich. Du zogst die Vorderbeine zurück unter den Körper und stemmtest dich dabei vorne hoch, dann hast du dich am Menschen hinter dir abgestossen und schaukeltest deinen riesigen Körper, einem Schiffsrumpf ähnlich, nach vorne – und jetzt schnell die Hinterbeine zurück. Bravo, Oski, du hattest es geschafft. Jetzt konntest du dein Geschäft im hintersten Winkel des Auslaufs verrichten.

Ein paar Wochen ging das so, dann gelang es dir nicht mehr und ich musste dich, meinen Freund, kaum erwachsen, einschläfern lassen. Mein Kopf und mein Bauch platzten fast vor Wut und Trauer. – Du fehlst uns, lieber Oski!

Seit Oski gestorben ist, sind schon einige Jahre vergangen. Noch immer ist er ein Teil von uns und Kinder und Erwachsene fragen nach ihm.

Danke, Kinder, ihr habt Oski, wenn auch nur ein kurzes, so doch ein abwechslungsreiches, liebevoll umsorgtes Leben ermöglicht! Er hatte die grosse Chance, dies kennenlernen zu dürfen.

Nach dem Tod von Oski haben die folgenden Kinderwünsche uns erreicht:

»Oski söll im Himmel e Esel-Fründ ha.« (Oski hatte seine Box neben unseren Eseln)

von Morris

»Dass dr Oski jetzt e Ängel isch und är jede Tag ka uf d’Ethikschuel abeluege!«

von Lina

»Dass är e Fründ het.«

von Yagis

»Oski söll e Ängel ha wo uf ihn ufpasst.«

von Aim

»Dass är e Buddha wird wo cha zaubere.«

von Furkan

»Dr Oski söll e schöne Ängel si.«

von Kaspar

»Dass Oski einen Menschen hat, der zu ihm schaut.« 

von Titos